Ich muss mich konzentrieren – aber wie nur? Je härter ich es probiere, desto weniger funktioniert es… Dabei sitze ich doch erst seit einigen Stunden hier – das kann doch nicht alles sein, was mein Gehirn kann? Hätte ich doch nur früher angefangen zu lernen, meine Hausarbeit zu schreiben oder diese Bücher zu lesen… jetzt geht nichts mehr rein.

Das oder so ähnlich ist ein Szenario, was viele Menschen kennen. Auch wenn emotional sehr interessante und anspruchsvolle Zeiten im Leben eines Menschen vorgehen ist es oft schwer, sich auf etwas als eher uninteressant Wahrgenommenes zu konzentrieren, sprich wenn ein sehr attraktiver Mensch in das eigene Blickfeld tritt, dann schweift der Blick vom langjährigen Partner schon mal für einen Moment ab – der Fokus springt kurz vom einen aufs andere.

Konzentration hat viele Facetten und ist durch zwei grundsätzliche Betrachtungsweisen sehr gut zu verstehen. Die eine Betrachtungsweise ist eher eine hirnphysiologische. Die Zellen im Gehirn brauchen für eine konzentrierte Arbeit eine Menge Energie. Nach etwa 20 Minuten ist diese Energie erschöpft und braucht eine kurze Zeit zum wieder aufladen – sprich, wenn man sehr einseitige Aufgaben hat, die eine hohe Konzentration brauchen, dann sollte man ca. alle 20 Minuten eine kurze Pause machen – ca. 5-20 Minuten. So gibt man dem Gehirn die Möglichkeit, sich wieder aufzuladen. Bei Aufgaben, bei denen man 2-3 Tätigkeiten miteinander kombiniert, wie zum Beispiel das Lesen, das Rausschreiben von Informationen und das Unterstreichen von Textstellen, dann sollte man ca. alle 90-120 Minuten eine Pause von 18-22 Minuten machen. Dieses ist den so genannten ultradianen Rhythmen des Menschen geschuldet, in denen unser System über den Tag läuft.

Die andere Betrachtungsweise ist eine psychologische, da zur Konzentration immer auch eine gewisse Form der Motivation gehört – oder anders: wenn ich motiviert bin, dann fällt es mir leichter, mich zu konzentrieren. So können sich Kinder zum Beispiel stundenlang mit einem Lego-Bausatz beschäftigen, wobei die Mathehausaufgaben eher eine Qual sind. Auch Gerald Hüther betont die Wichtigkeit von Emotionen im Bezug auf das Lernen und so steigt – mal abgesehen von den physiologischen Begrenzungen – die Fähigkeit, sich zu konzentrieren proportional mit der emotionalen Relevanz des Stoffes, auf den ich mich konzentriere. Fragen, die ich mir gut hierzu stellen kann, wären zum Beispiel: “Mit welchem Ziel lese ich etwas – wozu ist es gut?“ oder auch „Welches Suchfilter ist etabliert – sprich, nach was Suche ich im Text, welche Informationen erwarte ich und kenne ich die Struktur dessen, womit ich mich beschäftige?“ Struktur ist hier als Aufbau oder zu erwartender Inhalt gemeint – wie zum Beispiel, wenn ich eine Städtereise durch Europa buche und ungefähr wissen möchte, wie lange ich wo bin. Der Rest füllt sich dann mit den Erfahrungen, die ich auf der Reise als solcher mache.

Bestimmte Zustände sind Ausdruck eines Höchstmaßes an Konzentration – wie zum Beispiel das als ein Gefühl des „Fließens“ Wahrgenommene – auch Flow genannt. Dies wird dadurch begünstigt, dass zum Beispiel Störungen vermieden werden, sprich Handy aus und Schild an die Tür. Zum anderen fördert Singletasking (Gegenteil von Multitasking) – also eins nach dem anderen – das Andauern und den Level der Konzentration.

Wenn man dann noch die Umgebung, in der man sich aufhalten und konzentrieren will, „gelernt“ hat, dann kann man auch eher andere Sachen ausblenden. Sollten immer noch Gedanken auftauchen, die man gerade nicht gebrauchen kann, denen man sich gerade nicht widmen will oder die gerade als störend empfunden werden, dann gibt es zwei Möglichkeiten:

Ja UND später…
In dem Sie den Gedanken an den Ort schicken, wo sie ihn gebrauchen können – als Beispiel seien hier die 2 Liter Milch, die man noch kaufen soll, genannt, mit denen man bei der Arbeit nicht so viel anfangen kann, wie vor dem Kühlregal im Supermarkt. Das ist besonders effektiv mit der Haltung „Ja UND hier ist ein guter Platz für Dich…“ und damit sich im Supermarkt sehen, wie man gerade 2 Liter Milch aus dem Kühlregal nimmt.

Gedanken auf der externen Festplatte speichern
Hier ist die Metapher der Einkaufsliste am Beispiel der zwei Liter Milch sehr gut zu verstehen. Wir schreiben uns Dinge auf, um durch die Liste dann später erinnert zu werden und uns nicht mehr mit dem Gedanken belasten zu müssen. Genau so funktioniert es auch mit Gedanken, die uns nerven, die anstrengend für uns sind oder immer wieder kehren. Auch hier ist die Haltung beim Aufschreiben wichtig – mit einem „hier ist ein guter Platz für Dich, werter Gedanke“ kann unser Gehirn diesen Gedanken besser beim Schreiben loslassen, als bei einem „weg mir Dir“. Auch das Schreiben mit der Hand mit Papier und Stift macht einen Unterschied zum Tippen in einen Laptop – wobei dieser Unterschied auch sehr individuell unterschiedlich ist.

Zusammenfassend ist zu sagen, dass wenn genügend Gehirnfutter in Form von Obst, Gemüse, Nüssen und Wasser vorhanden ist, die Störungen reduziert oder für Fortgeschrittene (Meditation ist ein hervorragendes Mittel, die Konzentrationsfähigkeit zu erhöhen) ausgeblendet werden, eine gute Struktur für das, auf was man sich Konzentrieren will, gewusst wird, dann steht einer guten Konzentration nichts mehr im Weg. … und wie jeder gute Sportler weiß – nach Phasen der Anspannung sollten auch immer Phasen der Entspannung folgen, da man in denen besser wird und sich regeneriert.

Weitere Tipps zum erfolgreichen, gehirngerechten Arbeiten und zu Strategien für mehr Wohlbefinden bei der Arbeit gibt es unter www.ginkgo-strategie.de und unter www.sebastianmauritz.de.

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